| DER RUNDE TURM
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DER BERÜHMTESTE KÖNIG in der dänischen Geschichte ist Christian IV. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass unter seiner Regierung (1588-1648) eine besonders lebhafte Bautätigkeit stattfand, und weil viele Gebäude aus seiner Zeit uns heute noch erhalten sind. Es ist bekannt, dass Christian IV. aktives Interesse an vielen seiner Baustellen zeigte, und dass er die besten Handwerker engagierte. Der Runde Turm ist sein letztes großes Bauwerk. Der Grundstein wurde 1637 gelegt, und 1642 wurde der Bau beendet. Auf Bild (oben) sieht man den König zu Pferd am Schloss Rosenborg. Die beiden Personen, mit denen der König vor dem Runden Turm. (unten) spricht, sind der Architekt H. Steenwinckel der Jüngere und der Maurermeister J. Scheffel, Bern.
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DER RUNDE TURM ist Europas ältestes noch bestehende astronomische Observatorium. Es ist noch
immer in Betrieb, doch dient es nicht mehr Wissenschaftlern, sondern Amateurastronomen und der interessierten Öfentlichkeit. Dass Dänemark schon so früh ein Universitätsobservatorium bekam, ist zweifellos Tycho Brahe und seiner wissenschaftlichen Arbeit auf der Insel Hven zu verdanken. Trotz der Tatsache, dass er 1597 nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem König Dänemark verlassen hat, hatte die astronomische Forschung Fuss gefasst und Brahes Schüler C. Sørensen Longomontanus (bild), übernahm die Aufgabe das Observatorium einzurichten. In seinem Buch kann man lesen, dass seine Ideen von T. Brahes Observatorium »Stjerneborg herstammen. Auf der Plattform des Runden Turms sollten 5 kleine astronomische Häuser aufgestellt werden. Die Instrumente waren gleich denen, die T. Brahe benutzte. Longomontanus starb noch bevor das Observatorium fertig geworden war, und wir sind nicht sicher, oh seine Pläne ausgeführt worden sind.
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DER RUNDE TURM ist ein Teil in einem grösseren Gebäudekomplex, der anfangs auch eine Studentenkirche und eine Universitätsbibliothek umfasste. Die Trinitatis Kirche, die 1656 eingeweiht wurde, übernahm die Funktion des Kirchensaals im Studentenwohnheim Regensen, und sie war so riesig, dass sie leicht alle Studenten gleichzeitig aufnehmen komnte. 1683 bekam sie auch die Funktion einer gewöhnlichen Pfarrkirche. Die Bibliothek bestand aus einem großen Büchersaal, der sich über etwa 900 m2 erstreckte und der oberhalb der Kirche lag. Auf dem alten Stich von 1746 sieht man, dass die Bibliothek rechteckige Fenster hatte; das unterstrich die gesonderte Anwendung dieses Saales. Der Büchersaal verbleib ungeteilt bis 1778. Damals wurden 2 kleine Zimmer abgeteilt und als Lese- und Kartothekszimmer eingerichtet.
Es ist schon eine Seltenheit drei so verschiedene Institutionen unter einem Dach zu vereinigen, aber am verwunderlichsten ist wohl der Schneckengang, der diese miteinander verbindet, und der sich 7½ mal um einen hohlen Kern bis zu den obersten Etagen des Turmes windet. Die jüngsten Untersuchungen zeigen, dass der Schneckengang urspranglich länger gewesen ist; vielleicht um eine ganze Windung, so dass man einst die astronomischen Arbeitsräume, die unmittelbar unterhalb der Plattform lagen, über diesen Weg erreichen konnte. Von der obersten Etage konnte man über eine Spindeltreppe an der Aussenwand des Turmes zur Plattform kommen. Im Laufe der Zeit hat es verschiedene astronomische Häuser auf der Plattform gegeben. Die Höhe des Runden Turms beträgt 34,8 m. Das Arbeitszimmer der Astronomen dient heute als Wohnung für den Inspekteur des Turmes und seine Familie.
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DER GUT 200 m lange Schneckengang ist 4¼ m breit und wird von gemauerten Kreuzwölbungen getragen. Bild zeigt and Hand der Schatten die Markierungen einer Bauschablone, die angewendet wurde, um der Wölbung die richtige Rundung zu geben. Die Nischen, die zur Zylindermitte zeigen, waren ursprünglich offen, aber da Kinder leicht in den Schacht fallen kornnten, wurden sie zugemauert. Schon in den frühesten Quellen wird erwähnt, dass der Aufgang breit genug sei, um leicht hinauf fahren oder reiten zu können. Es war praktisch die schweren Bücher und Instrumente auf einem Wagen transportieren zu können. Wir wissen, dass der Turm ein bevorzugtes Ziel für Touristen gewesen ist. Am Eingang gab es früher Stände, die z.B. Souvenirs und Branntwein feilboten.
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1728 WURDE CA. 30% von Kopenhagen bei einem katastrophalen Feuer vernichtet. Das Observatorium und die Universitätsbibliothek fielen dem Feuer zum Opfer. Unersätzliche Bücher und Handschriften wurden bei diesem Brand vernichtet und im Observatorium schmolz der berühmte große Messinghimmelsglobus, der nach Jahren erst 1632 von Deutschland heimgeführt worden war, und das letzte erhaltene Instrument Tycho Brahes darstellte. Die Belagerung Kopenhagens seitens der englischen Flotte endete 1807 mit einer schrecklichen Bombardierung der Stadt am 4. und 5. September. Auf einem Stich nach einer Zeichnung von Eckersberg sieht man Bomben und Raketen auf Kopenhagen niederregnen, wobei die Domkirche getroffen und angezündet wurde. Diesmal versuchte man eine Wiederholung des Geschehens von 1728 zu vermeiden. Die seltensten und wertvollsten astronomischen Instrumente wurden in einem Raum ganz unten im Turm in Sicherheit gebracht. Die Bibliothek hatte all die kostbaren Bücher und Dokumente so gesammelt, dass man sie in den hohlen Zylinder des Turmes bringen konnte. Der Turm war von Menschen und deren Sachen geradezu besetzt worden. Der Runde Turm und die Trinitatis Kirche wurden mehrmals getroffen, jedoch ohne viel Schaden zu erleiden. Auch die Brände der umliegenden Häuser griffen nicht auf den Turm über. Eine einzige Bombe, die in die Bibliothek fiel, hatte eine Ecke von einem Buch abgerissen. Der Titel des Buches lautet: Defensor Pacis - Verteidiger des Friedens.
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DIE REGENSKIRCHE, der Vorgänger der Trinitatis Kirche, lag im Flügel unmittelbar dem Runden Turm gegenüber. Regensen, auch von Christian IV gebaut, ist eines der ältesten Studentenwohnheime in Kopenhagen. In dessen Hof wurde am 12.5.1785 eine Linde gepflanzt. Dieser Baum wird alljährlich Anfang Mai gefeiert. Es ist zur Tradition geworden, dass die Regensianer unter diesem Fest ihr Recht auf den Runden Turm bekräftigen und ihn »stürmen«. Die Lithographie von ca. 1850 zeigt den Innenhof des alten Studentenwohnheims.
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DER RUNDE TURM ist im Laufe seines Bestehens oft von berühmten Gästen besucht worden. In erster Linie ist da an den russischen Zaren Peter den Großen zu denken. Er unternahm den Aufstieg 1716 zu Pferd und seine Gemahlin wurde im Pferdewagen, hinaufgefahren. 1902 fuhr das erste Auto hinauf und hinunter, und in der heutigen Zeit finden jährlich Einradsfahrradrennen statt. Der Runde Turm war immer schon beliebt, und der Humorist E. Jürgensen benutzte ihm um 1840 als Kulisse für eine makabere Geschichte. Der Text lautet: Gott! Haben Sie sich gestossen?
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DIE PLANETMASCHINE ist ganz oben im Turm, unmittelbar der Holztreppe gegenüber angebracht. Sie zeigt die Sonne in der Mitte und die 6 Planeten, deren Bahn nächstliegend um die Sonne kreisen. Die gegenwärtige Planetmaschine wurde 1822 aufgestellt und ist mit einem Uhrwerk versehen. Als Hintergrund ist hier das Bild des nördlichen Sternenhimmels zu sehen, der aus Bayers Himmelatlas vom Anfang des 17. Jahrhunderts stammt. Ursprünglich war die Maschine 1697 von Ole Rome konstruiert und aufgestellt worden. Er war überzeugt, dass die Bahnen der Planeten sich um die Sonne drehen, aber aus lauter Ehrfurcht vor T. Brahe schuf er die erste Planetmaschien nach dessen Weltbild, d.h. mit der Erde im Zentrum, der Sonne um die Erde kreisend, und die übrigen Planeten um die Sonne kreisend.
Ole Rømer (1644-1710) war Professor der Astronomie und leitete das Observatorium.
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ÜBER DEM EINGANG des Runden Turms befindet sich ein Rebus, der mit Sicherheit auf Christian IV. zurückgeführt werden kann. Im Reichsarchiv liegt sein eigenhändiger Entwurf zu diesem Bilderrätsel. Den Rebus kann man auf verschiedene Weise interpretieren. Thomas Bang legte ihn 1648 folgendermassen aus: Lenke die Lehre und Gerechtigkeit, Herr, im Herzen des gekrönten König Christian IV. Unter Lehre versteht man hier die rechte christliche Glaubenslehre.
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DIE PLATTFORM des Runden Turms ist umzäunt von einem kunstvoll gefertigten Eisengitter von 1643. Diese elegante Schmiedearbeit kann Christian IV.s Kunstschmied Caspar Fincke zugeschrieben werden. Der Brand von 1728 hat einen Teil des Gitters, das bis dahin aus 48 Feldern bestanden hatte, zerstört. Auf 7 Feldern ist das Monogramm Christian IV. und die Buchstaben RTP, die sein Motto symbolisieren: Regna Firmat Pietas - Frömmigkeit stärkt die Reiche. Es ist wahrscheinlich, dass es 8 Monogramme Christian IV. gegeben hat, die nach den Ecken der Welt ausgerichtet waren. Das Hammer- und Schlüssel-Zeichen ist wohl Caspar Finckes Schmiedemeisterabzeichen.
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Bis 1861 diente der Runde Turm als Universitätsobservatorium. Danach wurde diese Funktion von einem neuerbauten Gebäude auf dem Østervold, nördlich des Runden Turm übernommen. 1870 wurde das alte achteckige Observatorium abgerissen, und ein kleiner Treppenturm errichtet, der im Volksmund Pfeffermühle genarmt wurde. Das jetzige Observatorium ist erst von 1929. Es ist 6¾ m hoch und hat einen Diameter von 6 m. Die Drehkuppel, die von Hand in einer kreisrunden Eisenschiene bewegt wird, ist mit einer 1¼ m breiten Spalte, die mit Schubrouladen verschlossen werden kann, versehen. Das Fernrohr ist ein Linsenfernglas mit einem Durchmesser von 15 cm und einer Länge von 3 m. Es kann Vergrösserungen von zwischen 80 und 450 mal erzielen. Das Fernrohr ist so ausgerichtet, dass es mit Hilfe eines Uhrwerkes der Bahn eines Sternes am Himmel folgen kann. Jeder, der sich für Astronomie interessiert, kann im Winterhalbjahr vom Observatorium den Sternenhimmel erforschen.
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DER VOM SCHNECKENGANG des Runden Turms erreichbare große Saal über den Gewölben der Trinitatis Kirche wurde in den Jahren 1657-1861 als Universitätsbibliothek genutz. In einem von der Bibliothek abgetrennten Raum war von 1807 bis 1832 das Altnordische Museum untergebracht, det Vorläufer zum heutigen Nationalmuseum. Nach dem Umzug der Universitätsbibliothek 1861 in die Fiolstræde, diente der Saal in den folgenden hundert Jahren verschiedenen Zwecken, u.a. als Malerwerkstatt des Königlichen Theaters und als Depot für die Skelettsammlung des Zoologischen Museums.
1987 wurde der Saal nach umfassender Restaurierung wieder öffentlich zugänglich. Auf seinen 900 m2 werden nun Ausstellungen zu wechselnden Themen aus Kunst, Kultur, Geschichte und Wissenschaft geboten, die übrigens auch einen beliebten Rahmen für Konzerte bilden.
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DIE INNENAUSSTATTUNG der Kirche ist eigentlich seit der Wiedereinweihung 1731 nach den großen Brand unverändert. Das dreigeteilte Kirchenschiff ist gut 50 m lang und 20 m breit. Die Kirche ist mehrmals restauriert worden; jüngst 1981/82 wurden die vergoldeten Rippen des Sternengewölbes, die ursprünglich zu sein scheinen, erneut hervorgehoben, Durchgehend ist die Kirche mit marmorisierten Gemälden ausgeschmückt. Die Altartafel und die Kanzel sind 1731 vom Bildhauer und -schnitzer F. Ehbisch angefertigt worden. Aus dem gleichen Jahr stammt L. D. Carstens reichlich mit Barockornamenten versehene Orgel, aber hier ist es nur die Fasade, die erhalten ist, das Instrument selbst ist 1956 ganz neu ersetzt worden.
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